Plenar - Donnerstag, 12. März 2026, 13:00 Uhr
Grußwort zur Eröffnung der GTPF-Arbeitstagung 2026
Stefan Müller
Leiter der Abteilung Zukunftsvorsorge – Forschung für Grundlagen und nachhaltige Entwicklung – im Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR)
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
transdisziplinäre und partizipative Forschungsansätze leisten einen wesentlichen Beitrag zur zielgerichteten Bearbeitung gesellschaftlicher Zukunftsfragen. Gerade angesichts der zunehmenden Komplexität sind diese Forschungsmodi eine große Chance. Sie sind prädestiniert, alle relevanten Perspektiven in den Forschungsprozess einzubinden. So entstehen eben nachhaltige Lösungen, die auch unter Realbedingungen am Ende tragfähig sind und funktionieren.
Seitens des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt fördern wir deshalb teils schon seit vielen Jahren transdisziplinäre und partizipative Forschung. Auch im Rahmen der Hightech Agenda Deutschland (HTAD) wollen wir deren Möglichkeiten umfassend nutzen. Die HTAD ist ein Aufruf an unser ganzes Land, gezielt seine Kräfte zu bündeln.
Und dabei sehen wir drei wesentliche Herausforderungen im Fokus. Sie müssen aus unserer Sicht angegangen werden, um die Potenziale transdisziplinärer und partizipativer Forschung noch besser erschließen zu können.
Das ist erstens die Skalierung.
Allzu oft stellen wir fest, dass etwa in Reallaboren vor Ort zwar vielversprechende Innovationen entwickelt werden, diese dann aber nicht über ihren Erprobungskontext hinauswirken, sondern lokal verwurzelt bleiben. Wenn wir mit transdisziplinärer und partizipativer Forschung wirklich transformativ wirken und große Herausforderungen bewältigen wollen, müssen wir Skalierung möglich machen. Das erfordert auch Anpassung im Forschungsprozess. Die Berücksichtigung von Übertragungspotentialen und die Schaffung von Transfermöglichkeiten müssen unseres Erachtens deutlich stärker Forschungs- und Erprobungsgegenstand werden. Wie können wir beispielsweise erfolgreiche Lösungen auch unter veränderten Kontextbedingungen zum Erfolg bringen?
Und der zweite wichtige Punkt ist: wir müssen gesellschaftliche Wirkung sichtbar machen und häufig auch konkret nachweisen.
Diesen Anspruch sollte transdisziplinäre und partizipative Forschung als anwendungsorientierte Wissenschaft haben. Folgerichtig hat die GTPF eine entsprechende Arbeitsgruppe Wirkung eingerichtet. Nachzuweisen, dass eine Innovation Probleme nachhaltig löst, ist nicht zuletzt eine wichtige Bedingung für deren erfolgreiche Verbreitung. Das bedeutet nicht, dass jede Lösungsidee zum Erfolg verdammt ist. Das Ergebnis von Forschung kann genauso gut sein, dass ein Lösungsansatz, von dem man sich am Anfang viel erhofft hat, am Ende in der Realität nicht trägt. Das ist Forschung.
Und festzustellen, was unter Wirklichkeitsbedingungen tatsächlich funktioniert und was nicht, ist ja gerade eine der großen Stärken transdisziplinärer und partizipativer Forschung. Für Entscheidungsträgerinnen und -träger ist genau dieses Wissen gleichermaßen von großer Relevanz. Nur so können sie ihre Entscheidungen evidenzbasiert treffen und Ressourcen zielgerichtet auch priorisieren.
Und der dritte Punkt ist: transdisziplinäre und partizipative Forschung sollte sich stärker den Potenzialen technologischer Innovationen zuwenden.
Natürlich findet das in vielen Forschungsprojekten schon statt, aber hier sehen wir noch weit mehr Möglichkeiten. Wir sind der Überzeugung, dass wir technologische Innovationen benötigen, um zentrale gesellschaftliche Herausforderungen zu bewältigen und nachhaltiges Wachstum und auch Arbeitsplätze zu sichern. Es kommt aber darauf an, dass neue Technologien auch von der deutschen Wirtschaft angewandt und letztlich auch von der Gesellschaft angenommen werden. Deshalb müssen sie eben mit gesellschaftlich relevanten Fragestellungen und sozialen Innovationen verbunden werden. Und wer könnte das besser als Sie, die transdisziplinär und partizipativ Forschenden.
Im Bundesforschungsministerium sind wir deswegen sehr froh darüber, dass es mit der GTPF seit jetzt drei Jahren eine Fachgesellschaft gibt, die genau solche Herausforderungen reflektiert und die sich dort auch sehr engagiert. Für uns ist es ein ausgesprochen großer Gewinn, dass wir mit der GTPF eine Partnerin zur Seite haben, die auch unsere Programme und Aktivitäten dabei kritisch begleitet.
Ich wünsche Ihnen jetzt eine sehr erfolgreiche erste Arbeitstagung und wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit mit Ihnen.
Vielen Dank!
(Transkript des Video-Grußworts)